Prämierte Gedichte
von Rudy Ernst: Auswahl „Frankfurter Verlagsgruppe“ 2011/2012: „Jahresringe“ 2012/2013: „Kleine Fische – Groβer Fisch“ 2013/2014: „Karma“ 2014/2015: „Die Frühlings-Pille“ 2016/2017: „Erinnerungen“ Auswahl „Biblithek deutschsprachiger Gedichte“ 2016: „Kostbares“ --------------------------------------------- Jahresringe Jahr fϋr Jahr, in runden Bahnen, zieht das Schicksal seine Kreise, und die Jahresringe mahnen uns die Zeit auf ihre Weise. Bäume musst du erst zersägen, um die Ringe zu entdecken, unsereinem ward’s gegeben vor dem Spiegel zu erschrecken. Um die Augen, Mund und Nase zeichnen sich die Ringe ab, vis-à-vis im Spiegelglase zeigt es dir: Der Lack fällt ab. Jeden Morgen, beim rasieren, sagst du dir: noch bist du fit, kann dir also nichts passieren, denn noch hältst du deinen Schritt. Ungetrübt und guter Dinge, freudig wie dein Geist sich fϋhlt, übersiehst du deine Ringe wo dich Energie umspϋlt. ------------------------------------- Kleine Fische – Groβer Fisch Oh, wie niedlich sind die kleinen Fischlein im Aquarium, schwimmend über nassen Hainen, immer schön im Kreis herum. „Ja, sie sind zum fressen niedlich“, denkt sich auch der groβe Fisch, und drum frisst er sie ganz friedlich, ohne Teller oder Tisch. Aber wenn sie sich verstecken wird die Jagd mitunter schwierig, jener lässt er sich nicht gern necken, denn von Haus aus ist er gierig. Das Gesetz von Gross frisst Klein gilt jedoch nicht bloβ im Wasser, ist es doch zum vornherein bei den Menschen noch viel krasser. Wie beim Fisch der leere Magen seinen Urinstinkt entfacht, kann man auch vom Menschen sagen, unser Trieb sei Geld und Macht. ---------------------------------------------- Karma Karma ist die unsichtbare, (aber trotzdem einzig wahre) Kraft, die unser Schicksal lenkt und uns Seelenfrieden schenkt. Karma ist die Kraft des Lebens, ohne die der Mensch vergebens -und wie innerlich verflucht- nach dem eig’nen Glücke sucht. Gutes Karma ist der Segen, der, wenn wir es sorgsam pflegen, unser Leben überwacht und die Menschen glücklich macht. Doch wo gutes Karma fehlt, bleibt das Leben unbeseelt, oft sogar, mit Schimpf und Schand, gilt das für ein ganzes Land. |
Die Frühlings-Pille
Warum kommt diese laue Luft in linder Abendstille mit ihrem zarten Frühlings-Duft nicht schön verpackt als Pille? Birgt dieser letzte Sonnenstrahl in zärtlich-blauer Hülle nicht eine ungenannte Zahl von künstlerischer Fülle? Wie schön, wenn ich der Vöglein Klang, den mir der Lenz vergönnte, (samt Zwitschern und mit Lobgesang) als Pille kaufen könnte! Dann könnte ich, wenn irgendwann die Vöglein nicht mehr pfeifen und ich mich nicht mehr freuen kann, nach meiner Pille greifen. Dann könnte ich in Trübsal-Stunden, wenn drauβen Blitze zucken, (der Wirklichkeit schon längst entbunden) die Frühlings-Pille schlucken! --------------------------------------------- Erinnerungen Der Sommer war in diesem Jahr so frühlingshaft und wunderbar, ich wünschte mir -muss ich gestehen- er möge nie zu Ende gehen. Doch einmal mehr kommt nun die Wende und mit ihr geht der Traum zu Ende: Die böse Zeit mit Wind und Schauer sitzt schon auf ihrer kalten Lauer. Nun ist die Sommerszeit zerronnen, ein neuer Faden wird gesponnen, und bald schon mündet diese Zeit in eine neue Wirklichkeit. Doch bleiben die Erinnerungen, die wir dem Lenzen abgerungen, die Bilder jener schönsten Stunden, und diesen bleiben wir verbunden. Drum wollen wir uns nicht beklagen und diesem Sommer „Danke!“ sagen, denn über's Jahr schon kommt er wieder mit farbenprächtigem Gefieder. --------------------------------------------- Kostbares Kostbar sind die vielen Werte, die wir täglich so verehren, stets bestrebt, das viel begehrte Barvermögen zu vermehren. Kostbar sind die Objekte, die der Sammler so begehrt, liebt er doch die Lusteffekte, die das Sammeln ihm beschert. Kostbar auch der Drang nach Liebe, denn er ist emotionell, doch der Spuk der inn'ren Triebe ist halt leider hormonell. Ganz zuoberst auf der Liste steht jedoch der Faktor Zeit in des Lebens Zauberkiste, als ein Hauch von Ewigkeit. Als das höchste Gut des Lebens ist sie aber nicht zu kaufen, deshalb strebt der Mensch vergebens, ihrem Mangel nachzulaufen. |